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Demokratie
11Apr

Grün macht den Unterschied!

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

nachdem die Mitglieder von Bündnis 90/Die GRÜNEN in Solingen-Gräfrath und dem Westen Wuppertals mich zu ihrem Kandidaten bei der Landtagswahl im Wahlkreis 33 gewählt haben, möchte ich Sie nun überzeugen, bei dieser Wahl am 13. Mai den Grünen ihre Stimmen – vor allem ihre Zweitstimme zu geben.

Bei dieser Landtagswahl geht es darum, die erfolgreich begonnene Arbeit der Minderheitsregierung unter der Führung von Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann auf der Basis einer eigenen Mehrheit fortsetzen zu können. Dabei wollen wir die grüne Stimme in einer Regierung aus SPD und Grünen stärken, um unseren Zielen noch mehr Gewicht verleihen zu können.

Aus unserer Sicht sind die inhaltlichen Schwerpunkte und Ziele gegenüber der Wahl 2010 die gleichen geblieben. Die Stichworte sind die drei K: Kinder, Klima und Kommunen.

Die entscheidenden Konzepte dabei konnten und können Bündnis 90/Die Grünen vorweisen, und wir waren es auch, die die wichtigsten Fortschritte in den Feldern der 3 K erarbeitet und auch erkämpft haben. Dazu nur einige Beispiele:

Die Solingerin Sylvia Löhrmann hat als Schulministerin den historisch zu nennenden Schulkonsens mit der Bildungskonferenz vorbereitet und politisch durchgesetzt. Damit hat sie zum einen ganz handfest gezeigt, dass wir Grüne es ernst meinen mit unserer Forderung nach mehr demokratischer Beteiligung. Über 100 Verbände und Inititaiven von allen an Schule beteiligten haben in einem offenen Diskussionsprozess in der Bildungskonferenz den Weg für den Schulkonsens geebnet. Wir machen Betroffene zu Beteiligten, das ist für uns keine Sprechblase, sondern ernsthaftes Anliegen und Versprechen auch für die Zukunft. Mit der Neugründung von 61 Schulen des längeren gemeinsamen Lernens (42 Sekundarschulen und 19 Gesamtschulen) allein in diesem Jahr ist die Blockade in der Schulentwicklung in weiten Teilen unseres Landes endlich aufgebrochen. Die unsinnigen Kopfnoten sind abgeschafft, die demokratische Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler wieder eingeführt und – vielleicht die wichtigste Änderung – die Schulen werden nicht mehr mit einer Erlassflut terrorisiert. Stattdessen wird Schritt für Schritt eine Kultur des Miteinanders zwischen Schule, Schulaufsicht und Schulministerium etabliert, die Reformen von Unten ermöglicht. Die nächste große Herausforderung wird die Weiterentwicklung unserer Schulen hin zu einem inklusiven System sein, dass kein Kind – mit oder ohne sonderpädagogischem Förderbedarf – mehr aussortiert und an Förderschulen verweist.

Johannes Remmel hat als Klimaschutzminister das erste Klimaschutzgesetz auf Länderebene vorgelegt, in dem klare Klimaschutzziele definiert sind. Diese soll nun in einem zweiten Schritt für die wesentlichen CO2-Verursacher, Energieversorgung, Verkehr, Gebäude und Produktion mit einem Klimaschutzplan unterfüttert werden, der mit konkreten Maßnahmenpaketen deutlich macht, wie die Klimaschutzziele erreicht werden können. Auch dabei setzen wir Grüne auf die breite Beteiligung der Menschen in Nordrhein-Westfalen, denn wir wissen: Auch die Klaimaschutzziele erreichen wir nicht per Anordnung, sondern durch das abgestimmte Handeln aller, von der Wissenschaft über die Wirtschaft bis hin zu den einzelnen Bürgerinnen und Bürgern.

Auch beim Einsatz für eine starke kommunale Selbstverwaltung haben wir das, was wir vor 2 Jahren versprochen haben, gehalten. Dennn wir wissen: Wer die kommunale Handlungsfähigkeit gefährdet, gefährdet die Demokratie. Und nur Reiche können sich arme Städte leisten. Unmittelbar nach der Bildung der neuen Landesregierung haben die Kommunen 350 Mio. Euro zusätzlich erhalten, und mit dem Stärkungspakt Stadtfinanzen wird landesseitig das getan, was getan werden kann, um den am härtesten getroffenen Kommunen aus ihrer katastrophalen Lage herauszuhelfen. Dabei ist es den Grünen zu verdanken, dass mit dem beschlossenen Gesetz auch die Städte und Gemeinden der 2. Stufe – etwa Solingen – Hilfe bekommen, nicht nur die Kommunen, die ohne Hilfe bereits bis 2013 überschuldet wären. Wir wissen aber auch: Ohne die Hilfe des Bundes wird die Unterstützung des Landes auf Dauer nicht helfen. Es geht einfach nicht, dass die Bundesregierung die Städte und Gemeinden immer weiter belastet – sei es durch Steuersenkungen wie dem sogenannten Wachstumsbeschleunigungsgesetz mit den Wohltaten für die Hoteliers, sei es durch das explosionsartige Anwachsen der Sozialkosten durch die Übertragung neuer Aufgaben auf die Kommunen. Wir brauchen eine Gemeindefinanzreform, die unseren Städten endlich wieder die Kraft gibt, ihre Aufgabenbei der Bildung, im Sozialen, bei der Kultur und bei der städtischen Infrastruktur so wahrzunehmen, wie es für lebenswerte Städte erforderlich ist. Und der Bund muss 50 % der Sozialkosten selbst tragen!

Und damit komme ich zu meinem letzten Punkt, den Finanzen. Die Spitzenkandidaten von CDU und FDP überschlagen sich ja geradezu mit Vorwürfen gegen die Haushaltspolitik von Grünen und SPD. Ich halte das für unredlich. Richtig ist, dass das Verfassungsgericht den Nachtragshaushalt von SPD und Grünen für verfassungswidrig erklärt hat. Nur war der Inhalt dieses Haushalts nicht die Umsetzung inhaltlicher rot-grüner Politik, sondern die Bereinigung schwarz-gelber Bilanzfälschungen im Haushalt 2010. Denn diese damalige Landesregierung hatte ihre jeweiligen Landeshaushalte auf Kosten der Kommunen – ebenfalls mit diversen später vom Verfassungsgericht gekippten Operationen – schöngerechnet. Teile der Umweltverwaltung und die Versorgungsverwaltung sind den Kommunen übertragen worden, ohne ausreichende  Mittel zur Verfügung zu stellen. Der Kita-Ausbau war total unterfinanziert, und die Bundesmittel für den Ausbau der Betreuungseinrichtungen für Kinder unter 3 Jahren hatte die Rüttgers-Regierung einfach behalten. Diverse Kindergartenträger standen deshalb vor dem Ruin. Hier musste die neue Landesregierung sofort mit 3-stelligen Millionenbeträgen helfen. Über 1.000 Lehrerstellen, die für die Unterrichtsversorgung zwingend gebraucht wurden, waren im Haushalt einfach nicht finanziert. Das Urteil gegen den rot-grünen Nachtragshaushalt 2010 war in der Sache also ein Urteil gegen die Finanztricksereien von CDU und FDP.

Nun, das ist alles “vergossene Milch”, entscheidend ist, dass wir endlich zu einer Haushaltspolitik kommen, die mit Ehrlichkeit und Transparenz das Verschuldungsproblem sowohl im Land als auch in den Kommunen angeht und die Voraussetzungen dafür schafft, das wir die verfassungsrechtliche Schuldenbremse einhalten. Wir Grüne sind so ehrlich zu sagen: Das geht nicht mit Sparprogrammen allein. Wer die Haushalte konsolodieren will muss sowohl Ausgaben kürzen als auch Einnahmen steigern. Und das bedeutet schlicht und einfach, dass die Steuern erhöht werden müssen – aus unserer Sicht heißt das: Wir brauchen auf Dauer die Rückkehr zu einer Besteuerung großer Vermögen. und wir sagen ehrlich: Der Spitzensteuersatz muss rauf auf 49 % für Einkommen über 80.000 Euro Jahreseinkommen.  Genauso klar sagen wir aber auch: Förderprogramme etwa in der Wirtschaftsförderung, die auf potentiell rentierliche Investitionen gerichtet sind, sollten nicht mehr mit verlorenen Zuschüssen, sondern – wenn überhaupt – ausschließlich mit rückzahlbaren zinsgünstigen Darlehen ausgestattet sein. Und eine vorsorgende, also nachhaltige Haushaltspolitik darf niemals an der Bildung sparen, denn wie sagte schon John F. Kennedy: “Es gibt nur eins, das teurer ist als Bildung: Keine Bildung!”.

Ich meine: Das Grüne Lager muss wachsen. Dafür will ich mich als Direktkandidat einsetzen. Dafür bitte ich um Ihr Vertrauen und hoffe auf Ihre Unterstützung – für starke Kinder, konsequenten Klimaschutz und lebensfähige Kommunen.

Herzliche Grüße

Reiner Daams

Biografisches:
geboren 1961 in Solingen.
1980 Abitur an der August-Dicke-Schule
1980 – 1981 Zivildienst in der Kindertagesstätte Hasseldelle
1983 – 1998 selbständiger Gitarrenlehrer
1983 – 1989 Studium an der Wuppertaler Musikhochschule (Gitarre und Gesang)
1989 Staatsexamen
1996 – 1998 Regionalmitarbeiter von Kerstin Müller, MdB, Fraktionsvorsitzende
1999 – 2001 Büroleiter von Kerstin Müller, MdB, Fraktionsvorsitzende
2001 – 2005 Persönlicher Referent von Dr. Michael Vesper, stv. Ministerpräsident und Minister für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW
seit 2005 Referatsleiter in der Abteilung Wohnungsbauförderung, Wohnungs- und Siedlungsentwicklung im Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes NRW

grün-biografisches

seit Mai 1984 Mitglied der Grünen
1984 – 1998 kommunalpolitische Mandate für die Solinger Grünen in Bezirksvertretung, als kultur- und bildungspolitischer Sprecher und zuletzt als Fraktionssprecher im Stadtrat
1991 – 1998 Delegierter des KV Solingen im Landeshauptausschuss, später Landesparteirat der Grünen NRW, seit 2006 Ersatzdelegierter
1989 – 1993, 1996 – 1998 und seit Dezember 2006 Sprecher des Kreisverband
Solingen
1994 Direktkandidat bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Solingen / Remscheid
seit 1994 Mitglied, 1996 – 1999 Sprecher der LAG Schule/Bildungspolitik NRW
seit 2006 Delegierter in der BAG Bildung
seit Gründung in 2007 Delegierter des KV Solingen im Bezirksrat des
Bezirksverbands Niederrhein/Wupper
2010 Kandidat bei der Landtagswahl im Wahlkreis 33 (Wuppertal III, Solingen II)

24Mai

Regieren können die Grünen nur mit Demokratinnen und Demokraten.

„DDR rettet Rüttgers“, so titelte die für provokante Überschriften bekannte taz nach dem Scheitern der rot-grün-roten Sondierungsgespräche in Düsseldorf. Weiter weg von der Wahrheit hätte sie kaum sein können. Richtig hätte die Schlagzeile lauten müssen: „Linke rettet Rüttgers.“  Denn mit der DDR hatte das alles eigentlich überhaupt nichts zu tun.

Es ging darum, ob mit den handelnden Personen der Linkspartei  im nordrhein-westfälischen Landtag eine soziale, ökologische und demokratische Reformpolitik für NRW verabredet und verlässlich umgesetzt werden kann. Und eine ganz wesentliche Voraussetzung ist nunmal, dass es ein Mindestmaß an gemeinsamem Demokratieverständnis gibt. Und daran gab es schon vor dem ersten Gespräch begründete Zweifel, weil gleich mehrere Führungskräfte der Linken gegenüber Journalisten deutlich gemacht hatten, dass sie auch heute noch die DDR nicht für ein Unrechtsregime halten, sondern für einen „legitimen Versuch, auf deutschem Boden eine Alternative zum Kapitalismus aufzubauen.“ Wer dann auch noch auf die Frage, ob auch die Stasi ein legitimer Versuch sei, erstmal nachdenken muss wie Frau Butterwegge oder mit der Gegenfrage antwortet, ob denn der Verfassungsschutz legitim sei, wie die Fraktionsvorsitzende Frau Beuermann, der sollte sich nicht wundern, dass man zumindest große Zweifel an der demokratischen Gesinnung der handelnden Personen hat.

Das Ergebnis des Sondierungsgesprächs vom 20. Mai war offensichtlich, dass diese Zweifel gegenüber den Mitgliedern der Verhandlungskommissionen von Grünen und SPD nicht nur nicht ausgeräumt werden konnten, sondern sich bei allen Beteiligten sogar noch weiter vertieft haben. Kein Wunder, wenn von der Linken sämtliche Fragen nach Unrecht in der DDR relativiert und Unrecht in der Bundesrepublik Deutschland gegenübergestellt wurden. In der Konsequenz heißt das doch, dass die Mitglieder der NRW-Linken offensichtlich nicht unterscheiden können zwischen systematischem staatlich organisiertem Unrecht in einer menschenverachtenden Diktatur und Ungerechtigkeiten in einem demokratischen Rechtsstaat. Und mit solchen Leuten sollen Bündnis 90/Die Grünen gemeinsam regieren? Die Partei, für die Menschenrechte unteilbar sind, die sich immer und überall für die Verfolgten in Diktaturen eingesetzt haben, egal ob es vermeintlich linke oder rechte Diktaturen waren? Die Partei, die ihre Identität gemeinsam mit den BürgerrechtlerInnen aus der ehemaligen DDR nach der Vereinigung neu definiert hat? Besser nicht, denn dann hätten wir einen Teil unserer eigenen Geschichte dementiert. Und wenn man schon in solch elementaren Demokratiefragen keine Ebene der Verständigung findet, wie soll es dann im täglichen Regierungshandeln werden? Eine solche Regierung hätte in meinen Augen keine wirkliche demokratische Legitimation und auch keine Erfolgschance gehabt. Und nach dem Scheitern wäre eine dann nachfolgende Landtagswahl für CDU und FDP ein Spaziergang zurück in die Regierung geworden. Deshalb war es gut, dass wir Grüne völlig unabhängig von der SPD die notwendigen Konsequenzen gezogen haben, auch wenn das jetzt bedeutet, dass wir als eigentliche Gewinner der Landtagswahl erneut in die Opposition müssen. Schade, aber es fehlt eben ein Mandat zur Mehrheit, und knapp daneben ist nun mal auch vorbei.

31Mrz

Reiner Daams im KandidatInnencheck von Mehr Demokratie e. V. zur Landtagswahl in NRW 2010

Reiner Daams beantwortet die Fragen von Mehr Demokratie e. V. an alle Landtagskandidatinnen und -kandidaten zu Fragen direkter Demokratie…

Hier geht´s zum Kandidatencheck: http://landtagswahl.mehr-demokratie.de/reiner-daams-gruene.html

22Mrz

Das Programm der Linkspartei belegt ihre Realitätsverweigerung

Meine Güte! Verstaatlichung aller Banken und Großkonzerne, 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, weg mit Hartz IV, weg mit der Rente ab 67 – es fehlt nur noch der Slogan “Reichtum für Alle, aber sofort!” Was sich die Linke da unter der Führung von Oskar Lafontaine zusammenphantasiert, hat mit politischem Realitätssinn nun wirklich gar nichts mehr zu tun.

Abgesehen davon, dass staatliche Energiegroßkonzerne ganz bestimmt kein Deut besser , kein bisschen innovativer, nicht im geringsten demokratischer wären als private Energiegroßkonzerne – weiß die Linke noch nicht, dass Deutschland ein Rechtsstaat ist? Also ein Staat, in dem gleiche Rechte herrschen? Das heißt u. a., dass bei einer Enteignung, Verstaatlichung, Vergesellschaftung oder wie immer man das auch nennen will – dann wenn es überhaupt rechtens wäre – der Staat den bisherigen EigentümerInnen den Wert der zu verstaatlichenden Sache, sei es ein Grundstück oder auch ein Unternehmen ersetzen muss. Woher will die Linkspartei die Milliarden nehmen, um EoN, RWE, Thyssen-Krupp, BASF – um nur ein paar zu nennen – verstaatlichen zu können? Oder will sie den Diebstahl zum Programm erheben?

Dieses Programm zeigt nur eins: Sie will nicht regieren, sie kann nicht regieren, und sie will zurück in die Vergangenheit. Zukunft ist so nicht zu machen. Wer will, dass diese Linke regiert, will “Armut für Alle!”. Wer die Linke wählt, wählt die große Koalition.

18Mrz

Haus & Grund fragt – Reiner Daams und Sylvia Löhrmann antworten

Für das Haus und Grund Journal haben Sylvia Löhrmann und Reiner Daams einige Fragen beantwortet:

Seit langem ist  die „große” Gemeindefinanzreform im politischen Gespräch, die die am finanziellen Abgrund stehenden Städte wieder handlungsfähig machen soll. Passiert ist bisher wenig. Was wollen und können Sie und Ihre Partei im Landtag bewegen?

Die Städte und Gemeinden sind das Fundament unserer Demokratie, denn sie sind die Orte, wo Demokratie noch direkt erfahrbar ist. Sie gewährleisten die Infrastruktur – von der Wasserversorgung bis zu den Kultureinrichtungen – die unser Leben und Wirtschaften unmittelbar beeinflussen. Die Kommunen müssen auch in Zukunft der Garant für Versorgungssicherheit sein, damit allen Bürgerinnen und Bürgern weiterhin der Zugang zu qualitativ hochwertigen und bezahlbaren kommunalen Dienstleistungen offen steht.

Allein  die finanziellen Verluste der Kommunen, die die jetzige Landesregierung verantwortet, summieren sich auf rund 1,5 Mrd. Euro pro Jahr, für Solingen ca. 15 Mio. Euro jährlich. Hinzu kommen weitere Millionenverluste durch die aktuellen Steuersenkungen des Bundes. Die kaum noch vermeidbare Überschuldung Solingens ist also nicht in erster Linie hausgemacht, sondern wesentlich Ergebnis falscher Bundes- und Landespolitik.

Die Wiederherstellung der kommunalen Handlungsfähigkeit kann nur gelingen, wenn sich in Bund und Land endlich die Erkenntnis durchsetzt, dass die Städte und Gemeinden unterfinanziert sind und dass sie eine solide finanzielle Basis brauchen, mit der sie ihre kommunalen Aufgaben auskömmlich bezahlen können. Dazu gehören Sport und Kulturförderung ebenso wie präventive Jugend- und Sozialarbeit. Auch der Verlust der Investitionsfähigkeit ist eine gesellschaftliche, aber auch eine wirtschaftliche Katastrophe, die gerade der Mittelstand, vor allem das Handwerk bitter zu spüren bekommen hat.

Daher ist unser erstes und wichtigstes Ziel eine umfassende Gemeindefinanzreform, die den Kommunen wieder zu ausreichenden und verlässlichen Einnahmen verhilft. Entscheidend dabei ist, dass die Kommunen eigene steuerliche Gestaltungsspielräume behalten und sie nicht vollends in die Abhängigkeit bundespolitischer Entscheidungen geraten. Deshalb wäre eine Abschaffung der Gewerbesteuer auch dann nicht akzeptabel, wenn die Kommunen einen höheren Anteil an der Mehrwertsteuer erhalten würden. Notwendig ist stattdessen der Ausbau der Gewerbesteuer zu einer echten Gemeindewirtschaftssteuer, da die jetzige Gewerbesteuer durch die selektive Auswahl der Steuerpflichtigen in hohem Maße ungerecht ist. Darin sind sich die Grünen auf allen Ebenen der Politik in Deutschland absolut einig.

Nennen Sie uns bitte einige Eckpunkte Ihrer parteilichen Wohnungsmarktgestaltung. Soll der private Wohnungsanbieter eine faire und angemessene Daseinsberechtigung auf dem Anbietermarkt haben?

Alle an der Entwicklung der Wohnungsmärkte beteiligten Akteure stehen in den kommenden Jahren vor gewaltigen Herausforderungen. Diese können nur bewältigt werden, wenn wir die Wohnungspolitik als Gemeinschaftsaufgabe von Staat, Kommunen, gesellschaftlichen Gruppen und privaten Investoren begreifen.

Die wesentlichen Herausforderungen sind die Anpassung der Immobilien an die Anforderungen des Klimaschutzes und den sich regional völlig unterschiedlich vollziehenden demografischen Wandel.

Selbst die von der Landes- und Bundesregierung postulierten Klimaschutzziele, die von einer konsequenten Klimaschutzstrategie noch weit entfernt sind, bedeuten, dass sämtliche Immobilien innerhalb der nächsten 40 Jahre so saniert – oder abgerissen und neu gebaut – werden müssen, dass sie annähernd CO2-neutral sind. Die aktuelle Sanierungsquote von deutlich unter 1 %, bei der zudem das angestrebte Ziel nur selten erreicht wird, macht deutlich, wie weit wir davon noch entfernt sind. Das Ziel ist nur erreichbar mit einem Mix aus staatlicher Unterstützung und staatlichem Ordnungsrecht, das die Anforderungen auch an Altbauten berechenbar sukzessive erhöht. Dabei ist es selbstverständlich, dass private Investitionen in den jeweiligen Märkten auch wirtschaftlich darstellbar sein müssen.

Um die Städte demografiefest zu gestalten, brauchen wir nicht nur die grundlegende generationengerechte Umstrukturierung des Wohnungsbestandes, also den sukzessiven barrierefreien Umbau, sondern auch den Ausbau einer ergänzenden Infrastruktur für die gesundheitliche und soziale Betreuung in den vorhandenen Wohn- und Stadtquartieren. Wir wollen das selbstständige Wohnen mit niedrigschwelligen Be­treuungsangeboten und Versorgungssicherheit fördern, das älteren Men­schen das Verbleiben im gewohnten Lebensumfeld ermöglicht. Das erfordert die Zusammenarbeit zwischen Wohnungswirtschaft, privaten Vermietern, sozialen Trägern, Stadtplanern und Politik.

All dies zeigt, dass auch das Land seinen Verpflichtungen zur Umsetzung des Menschenrechts auf ein menschenwürdiges Wohnen weiter nachkommen muss. Unser Ziel ist daher, mit einem jährlichen Förderprogramm in Höhe von rund einer Milliarde Euro den Neu­bau und die Modernisierung von Wohnraum voranzutreiben.

Können Sie und Ihre Partei der Überschuldung Solingens entgegenwirken?

Neben einer umfassenden Gemeindefinanzreform wollen wir im Landtag und über den Bundesrat folgende Veränderungen durchsetzen:

  • Wir streben eine Ergänzung der Selbstverwaltungsgarantie der Kommunen in Artikel 28 Grundgesetz durch eine Garantie der Mindestfinanzausstattung und einen Ausgleich für Mehrbelastungen bei zusätzlichen Aufgabenübertragungen an.
  • Das Kooperationsverbot zwischen Bund und Kommunen muss insbesondere bei Zukunftsinvestitionen für Bildung, Umwelt und Soziales wieder aufgehoben werden. Wir wollen Programme des Bundes wie z. B. für Ganztagsschulen wieder ermöglichen.
  • Die Kommunen brauchen verbesserte Anhörungsrechte im Gesetzgebungsverfahren sowohl auf Landes- wie auf Bundesebene.
  • Bund und Land müssen einen deutlich höheren Anteil an der Finanzierung der Sozialkosten übernehmen.
  • Der kommunale Anteil am Steuerverbund muss erhöht werden.
  • Die vom Verfassungsgericht festge­stellten Überzahlungen der Kommunen bei den Kosten der deutschen Einheit müssen vom Land ohne Abzug erstattet werden. Ein transparentes Verfahren muss sicherstellen, dass es künftig zu keiner Überzahlung mehr kommt.
  • Absehbar überschuldete Kommunen wie Solingen brauchen eine Altschuldenhilfe, durch die sie bei den Kosten für Zinsen und Tilgung von Altschulden entlastet werden.
  • Förderprogramme von EU, Bund und Land müssen durch die Flexibilisierung der Fördervoraussetzungen allen Gemeinden zugänglich bleiben, sonst verfehlen sie ihren Sinn, für eine annähernde Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse zu sorgen.
  • Wir wollen den in NRW bereits unter Rot-Grün eingeführten Regelungen der Konnexität endlich Geltung verschaffen und auch im Bundesrecht entspre­chende Regelungen durchsetzen. Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen.

Selbstverständlich sind daneben auch eigene Konsolidierungsanstrengungen der Stadt erforderlich. Allerdings zeigt die von der Verwaltung vorgelegte Kürzungsliste, dass die Stadt allein nicht mehr in der Lage ist, der Überschuldung zu entkommen, ohne die Stadt kaputtzusparen. Wenn Bund und Land nicht sehr schnell handeln, wird in unserer wie auch in vielen anderen Städten Nordrhein-Westfalens eine Negativspirale in Gang gesetzt, die über den Verlust an Lebensqualität auch die wirtschaftliche Lebensfähigkeit der Stadt massiv in Frage stellt.

Sehen Sie Möglichkeiten die Verkehrsanbindung Solingens an die Autobahnen zu verbessern, um die Stadt als Wohn- und Wirtschaftsstandort besser zu positionieren?

Wir halten die Anbindung der Stadt Solingen an immerhin 3 verschiedene Bundesautobahnen für relativ gut. Gerade für den Wohnstandort – und damit letztlich auch für den Wirtschaftsstandort –  ist es von Vorteil, dass Solingen – anders als viele andere Städte – nicht durch Durchgangsverkehr auf Bundesautobahnen belastet ist. Wir Grüne streiten seit vielen Jahren erfolgreich dafür, dass das auch so bleibt. Jede wünschenswerte Verbesserung der Verkehrsanbindung darf nicht mit dem Preis bezahlt werden, dass zusätzlicher Durchgangsverkehr in die Stadt gezogen wird. Und genau da liegt die Crux bei der seit Jahrzehnten strittigen Anbindung der Stadt an die A3 im Westen unserer Stadt.

Der unter ökologischen Gesichtspunkten nicht akzeptable Weiterbau der Viehbachtalstraße durch den Hackhauser Wald und in Verlängerung der genauso problematische Bau der B 229 N bis zum Langenfelder Kreuz ist Teil einer Planung aus den 60er Jahren, die in der Innenstadt den Durchbau bis zur Kohlfurth an die Schnellstraße Richtung Wuppertal vorsah – eine Planung, die die kürzeste Schnellstraßenverbindung zwischen Köln und Wuppertal mitten durch die Solinger Innenstadt bedeutete. Das kann niemand ernsthaft wollen. Die Realisierung des Teils im Westen hätte zwar eine schnellere Anbindung von Ohligs aus an die A 3 zur Folge, allerdings würde damit zugleich ein nicht wünschenswerter Schleichweg zwischen Köln und Wuppertal geschaffen, der bei Staus um das Hildener Kreuz herum zu chaotischen Verhältnissen um den Schlagbaum herum führen würde. In der Folge würde die Debatte um den Weiterbau bis zur Kohlfurth wieder beginnen. Das gilt es aus grüner Sicht unter allen Umständen zu verhindern.

Dennoch kann die Anbindung an die A 3 weiter optimiert werden. Die vor rund 5 Jahren durch den Bau der Abbiegespur Richtung Oberhausen bereits erreichten Verbesserungen sind auf die Initiative von Sylvia Löhrmann zurückzuführen, die sich auf Landesebene vehement für kurzfristige Lösungen eingesetzt hat. Durch eine weitere Abbiegespur Richtung Köln können zusätzliche Optimierungen erreicht werden. Darüber hinaus halten wir auch die Prüfung einer Anbindung an die A 3 über die Haus-Gravener-Straße für richtig, obwohl die Realisierung auch dieser Variante zu einem ökologisch schädlichen Eingriff in die Waldflächen dort führen würde.

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